Legaltech-Startup Rightnow meldet Insolvenz an
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Rightnow macht Rechtsansprüche gegen Airlines, Fitnessstudios oder Stromanbieter gelten. Carsten Maschmeyer hat Millionen investiert. Jetzt muss das Startup Insolvenz anmelden, hat aber bereits einen Pivot gestartet.
Acht Jahre nach Gründung hat das Legaltech-Startup Rightnow am 25. Februar beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Das ist dem Insolvenzregister zu entnehmen. Auf der Webseite des Unternehmens werden Kunden bei den meisten angebotenen Dienstleistungen darauf hingewiesen, dass der Service pausiert sei. Die Begründung allerdings verwundert vor dem Hintergrund der Insolvenzmeldung: „Leider führt eine hohe Nachfrage zu Verzögerungen in der Bearbeitung. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir den Service wieder anbieten können“ heißt es da.
Grund für diesen Schritt sei das Scheitern einer geplanten und dringend nötigen Finanzierungsrunde, erklärt der Gründer Phillip Eischet auf Nachfrage gegenüber Gründerszene: „Aufgrund des Ausbleibens der Finanzierungsquellen für das ursprüngliche Geschäftsmodell der RightNow GmbH und der sodann – trotz intensiver Bemühungen auf Seiten der Eigenkapitalinvestoren und Gründer – gescheiterten Restrukturierungsverhandlungen war die Insolvenz der RightNow GmbH im Ergebnis unumgänglich.“ Gleichzeitig beteuerte er, weiter motiviert zu sein und an die Zukunft seines Unternehmens zu glauben.
Wie es nun für die Kunden von Rightnow weiter geht, erklärt er so:
„Es gibt keine unbearbeiteten Kundenfälle, da das Alt-Geschäft schon seit mehr als einem Jahr pausiert ist.“ Die Kunden seien alle ausgezahlt und die Forderungen werden aktuell gegen die Debitoren durchgesetzt, doch damit habe der Kunde nichts mehr zu tun.
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Um das zu verstehen, ein Blick auf das Geschäftsmodell von Rightnow: In den Jahren seit der Gründung hat sich das LegalTech als Dienstleister im Bereich der Verbraucherrechte etabliert. Rightnow kaufte Kunden ihre Rechtsansprüche gegen Unternehmen ab und zahlte ihnen innerhalb von 24 Stunden eine Entschädigung – unter Einbehaltung einer Gebühr.
Rightnow kümmerte sich so etwa um die Erstattungen bei Flugstornierungen und übernahm dann das komplette Forderungsmanagement gegenüber den Airlines. Zahlten die nicht, wurde automatisch eine Mahnung verschickt. Und wenn die Fluggesellschaft dann immer noch nicht zahlte, zog Rightnow vor Gericht. Dazu kooperierte das Startup mit Rechtsanwälten in ganz Deutschland. „Um den Aufwand gering zu halten, poolen wir hunderte Fälle und machen Sammelklagen“, so Mitgründer Benedikt Quarch in einem Interview mit Gründerszene 2018.
Später weitete Rightnow sein Tätigkeitsfeld aus und bündelte Rechtsansprüche gegen verschiedene Anbieter wie Stromversorger, Netflix, die Bahn oder Fitnessstudios zu Sammelklagen. Nach eigenen Angaben konnte Rightnow so bereits mehr als 500.000 Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Rechte helfen. „Wir wollen Rechtsdurchsetzung so einfach und schnell machen wie Pizza bestellen“, so Quarch damals gegenüber Gründerszene.
Die RightNow GmbH hat sich so laut Eischet über Private Debt Funds finanziert. 2018 gründeten die Rightnow-Gründer ein weiteres Unternehmen, zunächst unter dem Namen ITnow, das später in RN Inkasso GmbH umbenannt wurde. Unternehmensgegenstand ist laut Gesellschaftsvertrag und Satzung die „Erbringung von Inkassodienstleistungen mit allen Hilfs- und Nebengeschäften auf eigene und fremde Rechnung sowie von Servicedienstleistungen einschließlich der Unterstützung der elektronischen Datenverarbeitung von Inkasso- und sonstigen Rechtsdienstleistern sowie der Erwerb, die Einziehung und der Weiterverkauf von Forderungen jeglicher Art im In- und Ausland einschließlich des Erbwerbs von hierauf spezialisierten Unternehmen.“ Dieses Unternehmen, betonte der Gründer gegenüber der Wirtschaftswoche, sei von der Insolvenzanmeldung nicht betroffen.
„Die RN Inkasso GmbH arbeitet mit einem Backend-Funder aus dem Litigation-Funding-Bereich erfolgreich zusammen und hat erst jüngst eine Sammelklage mit knapp 10.000 Kunden gegen X (vormals Twitter) öffentlichkeitswirksam initiiert“, berichtet Eischet. Er bezeichnet das Modell dieser Firma als „neu und nachhaltig“. Es habe sich erfolgreich etabliert und werde weiter betrieben. „Mitarbeiterseitig hatten wir die notwendigen Anpassungen bereits im Rahmen des Pivots auf das veränderte Geschäftsmodell vorgenommen, auf der RightNow GmbH gibt es zum 01.03. nur noch die beiden Geschäftsführer als aktive Mitarbeiter.“
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2018 investierten unter anderem Carsten Maschmeyer mit seinem VC Seed & Speed und die Trivago-Gründer 25 Millionen Euro in Rightnow. In einer weiteren Runde 2021 steckten der Technologie-und Fintech-Investor VR Ventures und das Family Office des Schwarzwälder Boten weiteres Geld in das Unternehmen, insgesamt kamen bei dieser Runde 8,5 Millionen Euro zusammen.
Im Falle der Rightnow GmbH hat das Amtsgericht Düsseldorf den Rechtsanwalt Dr. Jan-Philipp Hoos zum Insolvenzverwalter bestellt. Es sei noch dabei sich einen Überblick zu verschaffen und könne deswegen noch keine Fragen zu dem Fall beantworten, äußerte dieser sich gegenüber Gründerszene.
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businessinsider