Dieser brasilianische Banküberfall im Wert von 100 Millionen Dollar bewies, dass Verbrechen ein Kunstwerk sein können
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- Eine Verbrecherbande verbrachte drei Monate damit, einen 78 Meter langen Tunnel zu graben, um in die brasilianische Zentralbank einzubrechen.
- Als Deckmantel für ihre aufwendigen Tunnelbau-Operationen gründeten die Räuber einen falschen Garten- und Landschaftsbaubetrieb.
- Auch nach zwei Jahrzehnten sind der Drahtzieher des Raubüberfalls und der Großteil der 110 Millionen Australischen Dollar bis heute unauffindbar.
Manche Raubüberfälle sind schlampige Einbruchsdiebstähle, während andere so brillant geplant und ausgeführt werden, dass die Grenze zwischen Verbrechen und Kunst verschwimmt. Die Welt hat zweifellos legendäre Raubüberfälle wie den großen Eisenbahnraub und den Diamantenraub am belgischen Flughafen erlebt. Aber der Einbruch bei der Banco Central im brasilianischen Fortaleza im Jahr 2005 entwickelte sich eher zu einer kriminellen Symphonie als zu einem einfachen Verbrechen.
Dies war der größte Banküberfall des Landes und erforderte eine akribische Planung mit einem unvorstellbaren Maß an Kühnheit. An jenem Wochenende verschwanden fast 70 Millionen US-Dollar (ca. 110 Millionen AUD), und zwei Jahrzehnte später ist der Großteil davon – und der Drahtzieher – immer noch eine Geistergeschichte, die den Behörden bis heute Rätsel aufgibt.
Die Operation begann mit einer akribischen Liebe zum Detail, die einen die Frechheit der Diebe bewundern ließ. Sie mieteten ein kleines Haus nur einen Block von der Bank entfernt und eröffneten „Grama Sintetica“ (Kunstrasen), eine Schein-Gartenbaufirma.
Das Haus wurde sogar frisch grün gestrichen und die Nachbarn erhielten hübsche Flyer mit Angeboten für Rasenpflege. Außerdem parkte regelmäßig ein weißer Lieferwagen mit einem Firmenlogo vor der Tür. Passanten sahen ein Landschaftsgärtnerteam und niemand ahnte, dass sich unter ihren Füßen eine Untergrundoperation zusammenbraute.
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Hinter der Hintertür des Hauses ging es jedoch weniger um rosige Aussichten als vielmehr um Risiken. In einem Schlafzimmer, das gleichzeitig als Baustelle diente, machte sich die Bande an die Arbeit und grub einen 78 Meter langen Tunnel zum Tresor der Banco Central. Wenn man sich das Graben eines unterirdischen Lochs vorstellt, stellt man sich Schmutz und Schweiß vor, aber dies waren keine gewöhnlichen Kriminellen, sodass ihr Tunnel auch einen Hauch von Komfort bot.
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Der Tunnel hatte Holzbalken als Stütze, Glühbirnen und sogar eine Klimaanlage, denn anscheinend wollen selbst Kriminelle nicht mehr als nötig schwitzen, wenn sie einen riskanten Raubüberfall durchführen. Der Gang lag drei Meter unter der Erde und schlängelte sich unter der regionalen Börse hindurch, und jeder Zentimeter davon war bis ins kleinste Detail geplant.
Dann kam das Wochenende vom 6. bis 7. August 2005 und es war Showtime. Die Bande brach durch den Tresorboden und schnitt zwei Meter Beton. Ihre Geduld zahlte sich aus, und im Inneren fanden sie ordentlich gebündeltes Bargeld – 3,5 Tonnen davon im Wert von fast 70 Millionen US-Dollar. Ohne jede Eile und ohne einen Funken Panik füllte die Bande ihren Lieferwagen voll und ließ als Beweis ihrer Anwesenheit nur Saftkartons und leere Energydrinkdosen zurück.
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Der Diebstahl wurde erst am Montagmorgen entdeckt. Als die Bankangestellten zur Arbeit kamen, entdeckten sie ein großes Loch im Tresorraumboden und es brach Massenpanik aus. Die Behörden eilten, aber die Diebe waren offensichtlich längst verschwunden. Es fanden Ermittlungen statt, die zu über 150 Festnahmen und der Sicherstellung von 9 Millionen US-Dollar führten. Aber die Hauptakteure und der Mann hinter der Operation, Paulo Sergio, verschwanden zusammen mit dem Großteil des gestohlenen Geldes wie der letzte Auftritt eines Zauberers.
Und heute, zwanzig Jahre später, bleibt die Frage: Schlürft Paulo Sergio Cocktails auf einer Privatinsel, oder ist das Geld in einem schwarzen Loch der kriminellen Unterwelt verschwunden und wurde nie wieder gesehen?
dmarge